NATURSCHUTZGESCHICHTE
Wie Pamukkale vor seinen eigenen Hotels gerettet wurde
Pamukkale hätte seine berühmten weißen Terrassen beinahe an die darauf errichteten Hotels verloren. So rettete ein Abriss in den 1990er-Jahren und ein neues rotierendes Wassersystem das Naturwunder.
Check dates and availability ↗Als Hotels direkt auf den Terrassen errichtet wurden
Ein Detail, das sich viele Besucher heute nur schwer vorstellen können: Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden direkt auf dem Plateau oberhalb der Travertinterrassen mehrere Hotels errichtet – einige mit Zimmern und Pools, die unmittelbar auf oder neben der Formation lagen. Diese Hotels pumpten Thermalquellwasser für ihre privaten Pools ab und entzogen damit den Terrassen darunter den natürlichen Zufluss, während Zufahrtsstraßen und Fahrzeugverkehr direkt über Teile des Travertins führten. Die kumulative Wirkung über Jahrzehnte war gravierend: Ohne gleichmäßigen Wasserfluss trockneten weite Bereiche der einst strahlend weißen Terrassen aus, wurden von Algen und Schmutz grau und matt und verloren das makellose Erscheinungsbild, das den Ort ursprünglich berühmt gemacht hatte.
1988 und der Plan, der darauf folgte
Die Aufnahme von Pamukkale und Hierapolis in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1988 war ebenso sehr eine Warnung wie eine Ehrung – die internationale Anerkennung lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Stätte, die unter unkontrolliertem Tourismus und Hotelbau sichtbar litt. 1992 verabschiedeten die türkischen Behörden einen formellen Management- und Entwicklungsplan, der gezielt darauf abzielte, den Schaden rückgängig zu machen: Er sah vor, die Hotels zu entfernen, die sich an die Terrassen herangeschoben hatten, die private Entnahme von Thermalwasser zu verbieten, die Straßen zu schließen, die das Kalkformation durchquerten, und einen natürlicheren Wasserfluss über den Hang wiederherzustellen. Es war im Grunde ein Bekenntnis, das langfristige Überleben einer fragilen Naturerscheinung über die kurzfristige Bequemlichkeit der Resortbebauung zu stellen, die sich ringsum entwickelt hatte.
Die Abrisse: Hotels verschwanden im Laufe der 1990er-Jahre.
Was folgte, war einer der dramatischsten konservatorischen Eingriffe an einer Welterbestätte: Die Hotels, die auf und um die Travertinterrassen gebaut worden waren, wurden im Laufe der 1990er-Jahre systematisch abgerissen, die letzten verbliebenen Bauten verschwanden um das Jahr 2001. Zufahrtsstraßen, die Fahrzeugen die Durchfahrt über die Terrassen ermöglicht hatten, wurden entfernt und die Oberflächen der Natur überlassen, um sich zu erholen. Es war keine symbolische Geste – es bedeutete, funktionierende Gewerbebauten niederzureißen und die lokale Tourismuswirtschaft auf ein wiederaufgebautes, reines Fußgängerareal umzustellen, das durch ausgewiesene Tore betreten wird. Das Ausmaß dieser Entscheidung, die natürliche Formation über bestehende Hotelinvestitionen zu stellen, ist ein wesentlicher Grund dafür, dass Pamukkale bis heute in wiedererkennbarer Form existiert – und nicht als dauerhaft geschädigte Kuriosität.
Wasser als Ressource managen, nicht als Kulisse
Die Entfernung der Hotels löste das Pumpenproblem, doch die Wiederherstellung der Terrassen erforderte zugleich ein aktives Management des verbleibenden natürlichen Wasserflusses – der Ursprung des rotierenden Wassersystems, das Besucher heute vorfinden. Statt das Wasser dünn und ungleichmäßig über den gesamten Hang verteilt fließen zu lassen, leiten die Behörden den Fluss nun gezielt abschnittsweise um: Jeder Bereich darf sich füllen, aufhellen und das Wasser eine Zeit lang halten, bevor der Fluss weiterzieht und der Abschnitt in der Sonne trocknet und wieder aushärtet. Dies ist eine echte technisch ausgearbeitete Erhaltungsmaßnahme, kein Zufall der Natur – sie hält den Kalzit hell, statt ihn dauerhaft nass zu lassen, zu verfärben und Algenwachstum zu fördern.
Hat es tatsächlich funktioniert?
Nach den meisten messbaren Maßstäben: ja, und zwar deutlich. Die Fläche des hellen, aktiv nachwachsenden Travertins, die heute sichtbar ist, ist erheblich größer und wird konsequenter gepflegt als in der Tiefphase des Verfalls in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren, als große Abschnitte grau und stumpf geworden waren. Die Beschränkung der Besucher auf markierte Wege sowie die Pflicht, die Terrassen nur barfuß zu betreten – eingeführt zusammen mit dem Abriss der Hotels –, haben den physischen Verschleiß weiter reduziert, der den früheren Schaden beschleunigt hatte. Es bleibt eine aktive, fortlaufende Managementaufgabe und kein einmal gelöstes und dann vergessenes Problem – die UNESCO überprüft den Erhaltungszustand der Stätte regelmäßig, und die türkischen Behörden passen den Wasserumlauf-Plan sowie die Besucherrouten weiterhin an die Reaktionen der Terrassen an.
Warum die Regeln, die sich jetzt einschränkend anfühlen mögen, durchaus Sinn ergeben
Wer diese Geschichte versteht, erkennt hinter den Regeln weit mehr als bloße Bürokratie. Das Barfußgebot, die markierten Laufbahnen, das Verbot, einfach über jede trocken wirkende Travertinfläche zu laufen – all das existiert, weil Pamukkale beinahe genau das verloren hätte, was es berühmt macht. Das heutige Management ist eine direkte, hart erkämpfte Antwort auf diese Beinahe-Katastrophe. Jeder Besucher, der heute barfuß eine markierte Bahn entlanggeht, nimmt auf seine Weise an einem Schutzsystem teil, das gezielt verhindern soll, dass sich die Schäden jahrzehntelanger unkontrollierter Hotelbebauung und Fahrzeugverkehrs wiederholen – ein Gedanke, der einem beim Warten auf das Ausziehen der Schuhe am Eingang durchaus in den Sinn kommen darf.